Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal das Älterwerden leisten: Selbst der Zahn der Zeit nagte bei uns nur am Hungertuch.

Ich weiß, dass es, wenn man Kritik an Sprache übt, immer auch Kritik an dem geben wird, der kritisiert. Deshalb vorneweg: Ich bin sicherlich kein verbohrter Sprachpfleger, der an jedem Wörtchen herummäkelt und sich aus jedem Anglizismus eine Schlinge dreht, um sich schließlich nur selbst daran aufzuhängen. Doch man ahnt es schon, jetzt kommt das Aber:

Warum in drei Teufels Namen wird derzeit alles „gerockt“?

kurzer Ausflug in die Tiefen der Etymologie
Das englische Wort to rock ist seit dem 1922 erschienen Bluestitel My Man Rocks Me (With One Steady Roll) mit der Bedeutung „in musikalisch-rhythmische Bewegung versetzen“ belegt. Das (in diesem Zusammenhang auch noch sexuell besetzte) Wort geht zurück auf to rock im Sinne von „von einer Seite auf die andere schwanken“. Ein Schaukelpferd nennt man daher auch nachweislich schon seit 1724 rocking horse. Man erkennt außerdem die sprachliche Nähe zum deutschen (ver)rücken. So weit so gut.

 
Es ist also nicht verwunderlich, dass Rockbands das Publikum rocken. Meinetwegen auch Bands, die andere Musik darbieten, denn auch dazu lässt sich schließlich tanzen. Aber wer hat den Menschen gesagt, dass es eloquent sei, das Wort so oft zu strapazieren, dass einem die Trommelfelle wund werden?! Vielleicht ist es auch nur ein Ausdruck der unruhigen Zeit in der wir leben: Jeder rockt alles und jeden aber keiner kann mehr still halten. (Wahrscheinlich wird selbst das diesjährige Weihnachtsfest besinnlich gerockt)

Das Erstaunliche daran ist, dass es vor allem dem Fernsehzuschauer, unabhängig vom Sender, als scheinbar gebräuchliches Wort präsentiert wird. Überall wird „die Bühne gerockt“. Es bleibt bei der Wortherkunft zu hoffen, dass dem nicht so ist! Einstürzende Konzertsäle wären die Folge!

Yay! Da fällt mir gerade ein, auch ich hab schon im wahrsten Wortsinn die Bühne gerockt, als ich damals beim Aufbau für ein Konzert Bühnenelemente von einer Seite auf die andere geschleppt hab! Prima, dann nehm ich, jetzt da ich doch auch zu den Rockern gehöre, wieder alles zurück!

„Ich muss für jeden einzelnen englischen Rücken, den ich mir anschauen will, bezahlen?!“

„Klar, es heißt ja nicht umsonst ———“

Meine Vorliebe für kuriose und miese Musik à la I’m no kin to the monkey no, no, no oder Stefan Klein sind ja mittlerweile hinreichend bekannt.

Als unbeliebtestes Lied aller Zeiten wird aber wahrscheinlich der 1997 von Dave Soldier und Nina Mankin geschriebene Most Unwanted Song in die Geschichte eingehen. Sie näherten sich der ganzen Sache nämlich wissenschaftlich und ermittelten bei einer Umfrage mit 500 Teilnehmern die meistgehassten Elemente (Instrumente, Textpassagen, etc.) in Musik. Erstaunlicher Weise gehören da auch einfache Sachen wie Kinderchöre und Banjos dazu. Textlich/thematisch am wenigsten gemocht wurden (in den USA) unter anderem politische Slogans, Walmart und Werbejingles – also wurden sie Bestandteil des Liedes.

Beginnt man mit dem Hören, so denkt man zunächst die Bezeichnung „unbeliebtestes Lied aller Zeiten“ sei übertrieben, denn Dissonanzen fehlen fast völlig, aber nach und nach wird man in die Musik hineingezogen. Das kommt einer – zugegebenermaßen sehr langen – Achterbahnfahrt gleich, denn der Song dauert knapp 22 Minuten. Wer sich aber ein bisschen Zeit nehmen kann, sollte sich das Ganze nicht entgehen lassen. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit zu sagen, dass man das Lied gehört hat, das nach Angaben seiner Komponisten nur etwa 200 Menschen auf der Erde gefällt? Und hab ich den Operngesang-Rap-Part schon erwähnt? Sehr hörenswert!

Lange Rede, langes Lied:

Ach ja: Wo ein unbeliebtestes Lied aller Zeiten ist, da ist natürlich auch ein beliebtestes. Allerdings ist das bei weitem nicht so lustig. Angeblich soll es 72 % aller Musikhörer (±12 %) gefallen. Ich fand, man musste sich weitaus mehr anstrengen, zuzuhören, als bei seinem „negativen“ Pendant. Der Vollständigkeit halber sei aber auch darauf verwiesen:

beides via wired – Listening Post, hier und da

Beim Herumstöbern bin ich auf etwas Witziges gestoßen. Auf der Seite Poe War – Writer’s Resource Center fand ich den Post 7 Easy Steps to a More Pretentious Poem. Demnach kann man in sieben Schritten aus einem „normalen“ – soll heißen, kurzen, einfachen – Gedicht ein „anspruchsvolles“ machen. Die Anführungszeichen deuten schon an, dass das Ganze natürlich nicht ganz ernst gemeint ist. Aber Autor J. C. Hewitt arbeitete in überzeichnender Art heraus, was ein „anspruchsvolles“ Gedicht ausmacht:

  1. möglichst altmodische Wörter einfügen, die heute keiner mehr verwendet
  2. Fach- oder schwierige Bezeichnungen für einfache Sachverhalte benutzen
  3. Fremdwörter benutzen und kursiv schreiben
  4. technologische Begriffe einstreuen, um zu zeigen, dass es sich um ein zeitgenössisches Gedicht handelt
  5. weitere moderne Sachen, wie Abkürzungen und Slangbegriffe benutzen
  6. die Zeilenumbrüche verrücken
  7. auf Zeichensetzung verzichten

Deshalb hier jetzt mal der Eigenversuch in sieben Schritten mit einem vergleichsweise simplen Poesiealbumspruch:

Ein Häuschen aus Rosen,
aus Veilchen die Tür.
ein Herz voller Liebe,
das wünsch ich dir!

Nach Abarbeiten der einzelnen Schritte wurde daraus schließlich:

Der Wohnstatt-Container aus
Rosa
a violet-made gateway
die Kardia
<3-beseelt
das sei mein
Wunsch
2 u

Naja, klingt weder modern noch anspruchsvoll, aber ein Versuch war es allemal wert. Außerdem: Die Idee zählt und es hat tatsächlich Spaß gemacht. :)

Man mag von Arnold Schwarzenegger halten, was man will (In diesem Zusammenhang sei auf die schauspielerischen Qualitäten und das hochgestochene Oxford-English im Film „Hercules in New York“ im Originalton hingewiesen. Bspw. hier).
Aber was man da im San Francisco Chronicle lesen kann, spricht zumindest dafür, dass er – auch wenn er selbst wahrscheinlich nicht alleine dafür verantwortlich ist – Humor besitzt.

Der Hintergrund: Arnie liegt unter anderem im Clinch mit Tom Ammiano, Demokrat und Mitglied der California State Assembly. Es geht um Finanzierungsangelegenheiten für den Ausbau des Hafens von San Francisco. Schwarzenegger beklagt, dass nur unnötige Schriebe auf seinem Tisch landeten, während die Hauptprobleme vom Parlament immer ignoriert würden. Das Antwortschreiben des „Governators“ hat es daher in sich. Man achte auf die Anfangbuchstaben jeder Zeile:

Arnie

via TechCrunch und SF Chronicle

Erstaunlich, heute vor genau 40 Jahren wurde über das Arpanet die erste E-Mail (die damals natürlich noch nicht diesen Namen trug) von L.A. nach Stanford verschickt. Wie u.a. die Süddeutsche berichtet, war ihr Inhalt: LOG. Die Buchstaben wurden nacheinander geschickt. Nach dem G war’s zuerst mal vorbei mit der Herrlichkeit: Die Verbindung brach ab. Nicht überliefert ist, ob man sich das Ganze nicht versuchte schönzureden, indem man vielleicht behauptete, man wolle nur einen Baumstumpf (engl.: log) erwähnen.

Wenn man bedenkt, dass im selben Jahr auch der Mond zum ersten Mal betreten wurde (auch wenn einige Verschwörungstheoretiker es anders sehen), und wie rasant sich die Raumfahrt in der damaligen Zeit entwickelt hat, ist es fast verwunderlich, dass es so lange dauerte, bis sich die E-Mail aus dem universitären Kontext herauslösen und die Gesellschaft durchdringen konnte.
Ebenso amüsant ist die Vorstellung, dass man sich noch Anfang der neunziger Jahre, sofern man via Mail kommunizierte, sich aus einem Pioniergefühl heraus vielfach einfach duzte. Man war eben teil einer exklusiven Community. Verwirrung dürfte es vor allem dann gegeben haben, wenn man seinen Chef im einen Moment ‘virtuell’ duzt und dann, wenn man ihm auf dem Flur über den Weg läuft, wieder ein untergebenes Sie benutzt. Schon damals zeigte sich also das leicht Schizophrene, das sich heute im Web zuhauf findet.

Als der Kellner das Essen am Tisch des örtlichen Bauernvereins servierte, konnte er sich den Spruch „Wer von ihnen hat das Feld bestellt“ nur schwer verkneifen.

Nachdem sich in den letzten Wochen alles um meine Hände gedreht hat, bin ich wieder da und das natürlich besser als je zuvor (gähn, wer hätt’s gedacht…). Danke an dieser Stelle für die Genesungswünsche. Hat geholfen.

Obwohl ich ja grundsätzlich dem ganzen Netzkram immer kritisch gegenüberstehe (weniger aus echter Kritik, sondern eher um mich zu profilieren :) ), muss ich doch sagen, dass es mir sehr gefehlt hat, sinnlose Comics oder eher sinnvolle Blogs zu lesen. Das hatte weniger damit zu tun, dass ich chronisch unterbeschäftigt war (was auch stimmt). Vielmehr fehlte mir komplett die Inspiration – und sei es auch nur für ein schlechtes Wortspiel (Das mir auch die Fähigkeit zu schreiben fehlte, vernachlässige ich jetzt mal). Es ist echt verdammt seltsam, wenn man sich viel zu viel des Fernsehprogramms reinzieht, das so tagsüber läuft. Leider hatte ich die Möglichkeit dazu. Also wurde ich in kurzer Zeit zum Experten für Sitcoms, die zwar teilweise lustig waren, einen aber nach ein paar Tagen doch eher ausgelaugt zurückließen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin froh wieder hier zu sein. Schreiben, lesen, machen. I freu mi.

Nur falls sich jemand wundert: Ich bin noch am Leben, allerdings derzeit durch Sehnenscheidenentzündung an beiden Händen nicht in der Lage großartig viel zu tippen (Die Frage, wie es möglich ist, sich an beiden Händen gleichzeitig sowas zuzuziehen, kann und werde ich daher nicht beantworten :) ). Alles ziemlich langwierig und nervig. Mal sehen, wann’s besser ist… Dann werde ich auch mal wieder bei anderen vorbeischauen und kommentieren. Bis dahin halt ich die Finger mal lieber wieder still…

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