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20. Juli 2010 / Richard Synn

Tauf ihn mit Gebrüll!

Soll meinetwegen jeder von der katholischen Kirche halten was er will, aber die Überheblichkeit und der Universalitätsanspruch aller Religionen ist in meinen Augen einfach nur lächerlich. Ich will jetzt gar nicht von Missbrauchsvorwürfen oder den Greueltaten im Namen des Christentums anfangen. Es geht um noch fundamentalistischere fundamentalere Dinge.
So bestimmt die Kirche, dass man zwar aus der Kirche austreten darf, sagt aber gleichzeitig, dass das Sakrament der Taufe nicht mehr rückgängig zu machen sei. Wer einmal in den Hundehaufen getreten ist (oder eher: hineingeführt wurde), muss mit dem Gestank klarkommen oder wie? Ziemlich albern. Hinzu kommt die “Drohung”, dass einem Wiedereintritt in die Kirche nicht unbedingt zugestimmt werden muss. Dabei ist jedem klar, dass bei einer ausreichenden “Spende” keine Probleme bestehen dürften. Oder wie es hier im Saarland ist: Man kennt einen, der einen kennt, der der Schwager vom Pastor ist, und schon klappt’s. Abgesehen davon ist die Anzahl derer, die zurück in den Affenstall wollen recht gering, denk ich mal.
Aber zurück zur Taufe. Da der US-amerikanische Oberatheist Edwin Kagin diese lächerliche Selbsterhöhung der Kirche nicht akzeptiert, bietet er jetzt Enttaufungen an. Er benutzt dazu einen Haartrockner mit der Aufschrift “Reason and Truth” (also etwa “Vernunft und Wahrheit”), durch den symbolisch das Taufwasser zum Verdunsten gebracht wird. Dabei murmelt Kagin, in eine Mönchskutte gehüllt, pseudo-lateinische Formeln. Nicht überliefert ist, ob er für seine Enttaufung auch die Unumkehrbarkeit beansprucht.

Etwas off-topic ist vielleicht folgende Frage: Warum hat der Autor des deutschsprachigen Artikels auf dnews.de (der in der Tat einfach nur von der FOX-Meldung abgeschrieben ist), einen unnötigen Anfall von Kreativität verspürt? Er nämlich übersetzte den Satz: “I screamed like a banshee” mit “Ich schrie wie ein mageres Spanferkel”. Wenn man versucht, Texte nicht als 1-zu-1-Übersetzungen zu gestalten, ist das ja insgesamt lobenswert. Sollte man aber bei einer, sagen wir mal, “interkulturellen” Übertragung nicht vielleicht darauf achten, dass eine gewisse Analogie vorhanden ist? Oder was bitte haben weibliche Todesfeen mit einem leckeren jungen Schwein gemeinsam?

  1. lordfoltermord / Jul 20 2010 17:50

    Es könnte daran liegen, dass “to scream like a banshee” mit “wie am Spieß schreien” übersetzt wird. Wirklich nachvollziehbar ist es trotzdem nicht, was haben Spanferkel – zumal mager – mit Siouxies Band zu tun?

  2. Richard Synn / Jul 20 2010 18:01

    Ah, danke für die sprachliche Nachhilfe. Das macht die Sache wenigstens halbwegs nachvollziehbar. Den deutschen Artikel macht es aber dadurch (fast) noch schlechter, weil wirklich, bis auf die Übersetzung, keinerlei Eigenleistung erkennbar ist. Naja.

  3. Anj / Jul 24 2010 11:07

    Baptisten machen’s da ein bisschen besser.

    • Richard Synn / Jul 24 2010 13:21

      Ja, die darf man wenigstens selbst dafür verantwortlich machen, weil sie mehr oder weniger reif waren bei der Entscheidung… :)

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