Wissenschaft, wie wir sie brauchen
Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche ist medial in letzter Zeit etwas abgeflacht. Wäre es da nicht eine gute Idee seitens der Kirche, den Spieß einfach mal umzudrehen? “Home-’Ehe’ – eine Form von Kindesmissbrauch?”, fragt der Katholische Nachrichtendienst (gemeint ist natürlich die sog. Homo-Ehe).
Im Artikel geht es dann darum, dass die australische Politikerin Wendy Francis die Homo-Ehe für ein soziales Experiment hält. Kindern diesem auszusetzen sei “emotionaler Kindesmissbrauch”.
Und mit dem “Beleg” für Francis’ Meinung, beginnt die journalistisch-wissenschaftliche Glanzstunde von kath.net:
Einschlägige Studien haben laut “LifeSiteNews” gezeigt, dass überdurchschnittlich viele Homosexuelle pädophil sind. Eine Untersuchung hat ergeben, dass 29 Prozent von Kindern homosexueller Paare im Laufe ihrer Kindheit von einem „Elternteil“ sexuell missbraucht worden sind, während das nur 0,6 Prozent der Kinder heterosexueller Paare passiert sei.
Die genannte Seite LifeSiteNews wird von Anhängern des pro-life-movement und damit von homophoben Abtreibungsgegnern betrieben. Aber wer so gewissenhaft Wissenschaft betreibt, der ist mit Sicherheit nicht voreingenommen.
Nicht erwähnt wird, dass es sich um eine Studie handelt, die aus dem Jahr 1996 stammt und damit nicht gerade als topaktuell angesehen werden kann. (Auf der anderen Seite muss ich zugeben im Fachdiskurs nicht auf der Höhe zu sein) Aber gut, schauen wir mal weiter. Ach, einer der Autoren, Paul Cameron, wurde, wie Jim Burroways in seinem Artikel feststellt, 1985 von der Schwulenzeitung The Advocate zum gefährlichsten Mann Amerikas gewählt (2005 landete er auf Platz Nummer 2). Das könnte damit zusammenhängen, dass er schon 1982 durch die erfundene Geschichte eines missbrauchten Jungen Stimmung gegen Homosexuelle gemacht hat. Er wird auch schon der American Goebbels genannt. Aber wer so gewissenhaft Wissenschaft betreibt, der ist mit Sicherheit nicht voreingenommen.
Seit 1982 hat er mehr als 39 Artikel und zahllose Essays zum Thema Homosexualität geschrieben, die seinem Schwulenhass als wissenschaftliche Stütze dienen sollen. Doch schon 1983 wurde er aus dem Amerikanischen Psychologenverband (APA) augeschlossen, weil er die Ergebnisse von psychologischen Studien umdeutete, aus dem Kontext riss oder schlichtweg “Tatsachen” erfand (!). Außerdem veröffentlichte er hauptsächlich in der Fachzeitschrift Psychological Reports, in der es zwar Peer Review gibt, die Rezensenten aber kein Vetorecht haben. WTF?! Aber wer so gewissenhaft Wissenschaft betreibt, der ist mit Sicherheit nicht voreingenommen.
Wer sich wirklich mal in die Tiefen und ach so wissenschaftlichen Zahlen einer Untersuchungs Paul Camerons (und seines Sohnes Kirk) stürzen will, dem sei dieser Artikel ans Herz gelegt.
Liebe Anhänger der katholischen Kirche, wenn ihr in der Regel der Wissenschaft eher kritisch gegenübersteht, warum springt ihr dann auf einen der größten Scharlatane überhaupt an? Ist wissenschaftliche Bauchpinselung besser als gar keine? Wenn ihr wirklich denkt, das sei Wissenschaft, dann kann ich eure Vorbehalte gut verstehen. Lest mal was Richtiges. Kann eine echte “Offenbarung” sein…

Also… was diese Wendy Francis da von sich gibt finde ich so abscheulich, dass ich es gar nicht kommentieren mag. Das ist mir echt die Anstrengung nicht wert. Ich frage mich, hinter wie vielen Monden manche Menschen doch leben können…
Ja, da kann’s einem tatsächlich die Sprache verschlagen…