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4. September 2010 / Richard Synn

Post-Präpositionen?

Wie es das Leben (oder der Geldbeutel) so will, komme ich in letzter Zeit wieder häufiger in den Genuss, jede Menge öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das “Schöne” daran: Man kann den Menschen nicht aus dem Weg gehen, die man sonst nicht sehen und vor allem riechen würde. Doch es sind nicht die visuellen und olfaktorischen Reize, die mir die Gänsehaut auf den Rücken treiben.

Vielleicht habe ich mich schon vor zu langer Zeit aus der Gesellschaft ausgeklinkt, aber gab es da nicht mal so etwas wie Präpositionen? Nicht nur einmal, sondern gleich massenhaft darf ich Zeuge von Gesprächsfetzen werden wie: “Nein! Nein! Ich fahr Saarbücken, Alter!” oder “Gehst Du Nachtwerk***?” Nun habe ich zwar von nicht viel eine Ahnung, aber ein gefühltes halbes Leben Beschäftigung mit Sprachwissenschaft und Phonetik sorgen zumindest dafür, dass Sprachökonomie für mich nichts Unbekanntes ist. Allerdings weigere ich mich, den Verzicht auf eine ganze Wortart hier hinzu zu zählen.

Ich verstehe ja, dass alles immer schneller gehen muss. Man hat ja kaum noch Zeit zwischen Schuleschwänzen, Facebook und Flatrateparty aber die armen Präpositionen können doch nix dafür. Außerdem sind es die kürzesten Wörter überhaupt. Aber da ich vermute, dass ich mit meinen altmodischen Erklärungen eh nicht weit komme, hier mal ein anschauliches Beispiel aus eurer Lebenswelt, lieber Kevin und Murat:

Die Schwere meiner Hieb- und Trittverletzungen ist stark abhängig vom Gebrauch von Präpositionen. Wenn ich nur sage: “Ich schlafe deiner Freundin”, weißt du nicht, ob bei, mit, auf, unter oder schlimmstenfalls sogar in.

Also hier mein Vorschlag: Statt Präpositionen, die – wie gesehen – Leben retten können, streicht doch lieber ein paar Substantive aus euerm Sprachschatz. Wie wär’s für den Anfang mit “Spast”, “Wichser”, “Alter” und “Opfer” und schon habt die hälfte eurer Redezeit am Tag eingespart.

 
 


***eine schlechte Diskothek in Saarbrücken

  1. lordfoltermord / Sep 11 2010 10:17

    Ah, hassu voll korreckt gecheckt, Alda, mit die Schprachdingens!

    Ich muss jedoch mal ganz kurz ein wenig nachhaken: Der typische Sprachschlumpi aus der Bahn nähme weder die Worte “schlafe” noch “Freundin” in den Mund und mit der korrekten Beugung von Possessivpronomen hat er es in aller Regel auch nich so dolle. Statt “Ich schlafe deiner Freundin” müsste es also heißen “Isch penn deine Alde”. Neben den genannten wäre übrigens auch “wegen” eine nette, in Frage kommende Präposition.

    Aber keine Bange, noch ein, zwei Jahre ÖPNV und es tut nicht mehr weh und man ist assimiliert. Dabei bitte nicht vergessen, nach jedem zweiten Satz mit dem Daumen über das Nasenloch zu fahren und dabei hochzuziehen …

  2. Richard Synn / Sep 16 2010 09:43

    OK, ok, “Isch penn deine Alde” ist natürlich weitaus authentischer als mein kläglicher Versuch. Daran erkennt man den erfahrenen Bahnbenutzer.

    Allerdings sind meine Ansprüche bezüglich des “wegen” schon seit längerer Zeit im Rinnstein des des Lebens fortgespült worden. Aber ich lobe natürlich deinen Idealismus.

    Und von wegen ein, zwei weiteren Jahren ÖPNV??? Ich glaub mir wird schlecht, allein bei der Vorstellung… Naja, mich freut’s zu wissen, dass es anderen auch auffällt und ich wirklich nur in der Zeit der Fahrt selbst offenbar der Einzige bin, der kurz vorm doppelten Van Gogh steht.

    Peace, Alda

  3. Anj / Okt 12 2010 04:30

    Mein liebstes Beispiel “Wir können die Prüfung nicht durchfallen” :-D

    Aber “Alter” ist ein Wort, das ich selbst gern benutze… nur mal so zur Verteidigung der armen “Alter”-SagerInnen da draußen

    • Richard Synn / Okt 22 2010 17:02

      Ja, darfst Du ja auch. Ich habe bei Dir aber nicht so ganz das Gefühl, dass Du dieses Pidgin-Deutsch sprichst. Aber selbst wenn… Ich muss einfach mal gelassener werden, glaub ich :)

  4. Fräulein A. / Okt 21 2010 01:55

    Schön so. Schön so.

    Heute gehört im Schwimmbad “Das Bad” in Merzig. (Heißt es “im” oder wird das nur durch die verbleibende Universalpräposition “bei” ersetzt. Wenigstens auf die sollten wir gut aufpassen!

    “Lass mich Rutsche erst. Du Missgeburt.”

    “Whirlpool in mein Wohnzimmer würd sich auch gut reinpassen. 17 Hundert Euros, aber Platz halt.”

    “Alter, geh ma bei Bar und essen Pommes eins sibzisch.”

    Man muss also nicht in die öffentlichen Verkehrsmittel. Sollte ich das ganze aber mal in der Stadtbücherei hören, kündige ich sofort meine Mitgliedschaft zehn Euros im Jahr.

    • Richard Synn / Okt 22 2010 17:07

      Zehn Euros Jahr? Is vill, Alter. Krischt du auch für nur bissje mehr neue Handy-Vertrag. Übbaleh mol!! Isch mach dir gudda Preis… Aber Geld halt…

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